Um Himmels Willen! Nicht noch ein Blog …

Ja, Leute, es tut mir leid, aber nun komme auch ich mit einem Blog daher. Warum ich das mache? Nun, ich schreibe gerne. Außerdem ist es mir ein besonderes Anliegen, hier bestimmte Botschaften und Gefühle zu vermitteln. Vor allem Letzteres liegt mir besonders am Herzen. Ich bin stark dafür, dass wir mehr Emotionen zulassen. Von Menschen, die mir sehr nahestehen, kam des Öfteren die Frage, warum ich denn so offenherzig insbesondere auf Instagram sei. Und diese Frage hat mich jedes Mal verunsichert. Uns wurde beigebracht, stark zu sein, nicht zu weinen und sich nicht zu sehr zu öffnen anderen gegenüber. Weil man beispielsweise mal verletzt wurde oder einfach nur, weil unsere Eltern das vorgelebt haben.

Doch immer wieder habe ich ein Stück von mir preisgegeben, einfach, weil ich den Drang danach verspürte. Und weil ich es als wichtig empfinde. Meine Seele ist freizügig, ich mag Offenheit und Ehrlichkeit. Auußerdem mag ich es, Intimität zu zeigen. Die Art von Intimität, die ich bereit bin preiszugeben. In mir wohnt dieser naive Gedanke inne, dass die Welt vielleicht ein bisschen besser wird, wenn wir alle bereit wären, mehr Gefühle zuzulassen und diese auch vor anderen zeigen können.

Würden wir mehr Einblick in unser Inneres geben und offener darüber sprechen, wie wir empfinden, so würden Menschen manch andere besser verstehen, wenn sie von diesen nach anfänglichen Liebeleien plötzlich fallen gelassen werden. Dann hätten Paare, Freunde und Familienmitglieder unter Umständen weniger unnötige Auseinandersetzungen. Dann würden sich manche vielleicht nicht so alleingelassen und missverstanden mit ihren Gedanken fühlen. Dann könnte man vermutlich mehr miteinander lachen. Dann hätten womöglich Intrigen weniger Chancen. Dann würde es vielleicht ein bisschen mehr Liebe und Verständnis statt Hass und Frust geben. (An dieser Stelle folgt ein Selfie, das so wirkt, als wäre ich gerade in Gedanken versunken, damit es zum Text passt).

Schon seit ich denken kann, bin ich eine sehr ängstliche Person. Als Teenager hatte ich eine Zeit lang ein Messer auf meinem Nachttisch. An die Zimmertüre hing ich eine Glocke, weil ich keinen Schlüssel zum Absperren hatte. Ich hatte panische Angst, wenn ich allein im Haus war und mindestens genauso viel, als die Nacht hereinbrach. Ich hatte Angst davor, beim Faschingsumzug ganz vorne stehen zu müssen. Ich hatte so Panik vor dem Physikunterricht, dass mir regelrecht übel war davor. Mein Lehrer holte mich nämlich damals oft nach vorne an die Tafel oder bat mich, das eben Gelernte vor allen zu wiederholen, damit er sieht, ob ich es verstanden habe. Was natürlich nicht der Fall war, lol. Ich hatte und habe Angst vor dem Autofahren, Angst vorm Schwimmen im tiefen Meer und manchmal auch nur dann, wenn ich in eine volle U-Bahn einsteige. Dann kann es schon mal vorkommen, dass ich wieder aussteigen muss, weil mir allein die Blicke der anderen zu viel werden. Ich habe Angst davor, vor anderen in einem Meeting oder vor Studierenden an der Uni reden zu müssen, ich habe Angst vor Präsentationen, Angst, alleine in ein Café zu gehen, wenn andere schon auf mich warten. Ich habe Angst davor, Sektflaschen zu öffnen, weil mich das laute Geräusch des knallenden Korkens wahnsinnig macht. Ich habe Angst davor, wenn ich mich das erste Mal vor einer anderen Person entblöße, sowohl körperlich als auch seelisch. Ich habe Angst vor so vielem, aber ich möchte keine Angst mehr davor haben, darüber zu sprechen. Mit Sicherheit ist „Angst“ nicht bei jedem der genannten Beispiele die richtige Bezeichnung, aber hey, ich habe mit dem Wort begonnen und wollte es theatralisch durchziehen.

Was ich damit sagen möchte ist, dass wir doch alle unsere inneren Dämonen mit uns herumtragen und sie uns gelegentlich lähmen. Wir alle weinen, leiden und sind manchmal schlecht drauf, aber haben Bedenken, dass andere uns nackt sehen. Und zwar ganz ohne der Fassade, die wir aufgebaut haben. Die wenigsten reden darüber, man könnte fast meinen, dass viele Menschen keine Unsicherheiten verspüren. Wie auch immer, ich bin in vielen Hinsichten ein Schisser, aber das ist völlig in Ordnung. Vielleicht fühlen sich manche angesprochen und verstanden, vielleicht fühlen sich manche dadurch weniger allein. Womöglich kann ich einige auch ermutigen, etwas zu bewegen. In sich selbst und damit einhergehend auch die Umwelt. Die gesellschaftlichen Erwartungen tragen einen großen Teil dazu bei, dass wir nicht so sein können, wie wir wollen. Lasst uns doch daran arbeiten, dass es möglich ist, sich zu zeigen, wie man ist. Mit all seinen vermeintlichen Schwächen. Und zwar ganz ohne, dass man üble Konsequenzen befürchten muss.

Außerdem tut es mir gut, ein Ventil zu haben, um all diese positiven und negativen Gedanken aus meinem Kopf herauszulassen. Dann können sie da draußen herumtreiben und mir wieder etwas mehr Ruhe verschaffen, wenn ich sie gerade benötige. Darum habe ich begonnen, diesen Blog zu schreiben.

Foto Credits: Arnel Hasanovic