Ich habe es wieder getan. Meine zweite Gucci-Tasche zog bei mir ein.

Hiermit gebe ich offen und ehrlich zu: Ich bin eine #Guccituierte. Eine Person, die für Gucci-Taschen ihr letztes Hemd gibt und im schlimmsten Fall auch ihre Seele verkauft. Da ich leider nun mal nicht als Millionärs-Tochter geboren wurde und mir das italienische Luxuslabel noch immer keine Kooperation angeboten hat, musste mal wieder die Fake-Ware aus China für ca. 30 Euro daran glauben (dazu muss man bei amazon lediglich „Gucci Tasche“ eingeben und es werden einem eh zu 95% Fakes ausgespuckt). Zuerst machte ich auf Understatement und bestellte mir eine kleine schwarze Beltbag, die nahezu 1:1 dem Original entspricht. Okay, außer was das Logo anbelangt, da fehlt bei dem zweiten „G“ dieser Strich. Wie nennt man das nochmal? Glyphe, oder so? Egal. Jedenfalls dachte ich mir, dass ich ja behaupten könne, dass das Teil abgebrochen sei. LOL.

Ich denke, ich bin sowas wie kriminell, schließlich sind Plagiate ja illegal, oder irre ich mich? Als ich dann per E-Mail die Nachricht „Lieferung verzögert. Artikel wird bei Zoll geprüft.“ mit Priorität hoch bekam, wurde mir für einen kurzen Moment sehr heiß. Es erinnerte mich an den Ägypten-Urlaub vor ca. acht Jahren, als ich mir beim Quad-Fahren durch die Wüste die Rippen prellte und mir beim Hotel-Bazar unbedingt eine Louis Vuitton Speedy checken wollte. Die Rippen prellte ich mir übrigens, weil ich mich damals nicht allein auf ein Quad traute. Also quetschte ich meinen fetten Arsch hinter den meines damaligen Freundes und der bretterte ohne Rücksicht auf Verluste über die Sanddünen. Ich wurde auf dem Quad dermaßen durchgerüttelt, dass ich dachte, ich breche in der Mitte meines Körpers einfach ab. Dass ich hinten saß und mir die Tränen vor Schmerzen in Strömen runterkullerten, bemerkte er nicht. Wie auch? Ich hatte einen Helm auf. Egal, den Rippen geht es wieder bestens und ich will nicht immer vom Thema abschweifen. Nachdem mich der Verkäufer vom Hotel-Bazar dann ordentlich über den Tisch gezogen hatte (wie sollte es auch anders sein?), konnte ich die restlichen Urlaubstage kaum mehr genießen, so sehr hat mich der Gedanke an Heimflug und Zoll gestresst (o.k., und es kam hinzu, dass ich Verstopfungen hatte. Ich konnte die ersten sechs Tage nicht auf die Toilette gehen und das Thema „Angst vorm Darmverschluss“ nahm den meisten Raum bei den Gesprächen mit meinem Ex ein). Meine Lösung war es, die gefälschte LV-Tasche mit Schmutzwäsche zu füllen (damit sie keine Falten im Plastikleder bekam) und sie anschließend mit Kleidung zu umwickeln. Ich wollte sie quasi vor dem Röntgenscanner am Flughafen verstecken. War wohl echt nicht die hellste Kerze auf der Torte. Selten war ich so nervös in meinem Leben und es fühlte sich an, als würde ich 10 Kilogramm Koks in Schildkrötenpanzern schmuggeln. Aufgehalten wurde ich vom Zoll übrigens nicht, was mir ein triumphales Gefühl bescherte. Es war ein Wendepunkt in meinem Leben, der meine kriminelle Karriere ins Rollen brachte.

Aber nun zurück zur Gudschi-Problematik. Die schwarze Bauchtasche habe ich zumindest ein paar Mal getragen, wie hier auf diesem Bild deutlich zu erkennen ist.

Dann kam Tasche Nummer 2. In Samtoptik und knallrot. Und damit bin ich zu weit gegangen. Sie hängt nun bei mir zuhause rum und muss tagtäglich meine Blicke ertragen, die so verurteilend sind, dass selbst Fredini dagegen mit seinen regelmäßigen Saufgelagen und Prügeleien in der Nachbarskneipe korrekt wirkt. Ich meine, ich finde sie natürlich irgendwie schön. Aber bei dem roten Samttäschen mit gefälschtem Logo, da fehlt mir nun doch der Mut. Vielleicht hätte ich sie besser in einer zurückhaltenden Farbe bestellen sollen. Oder ich finde mich einfach damit ab, dass ich mir keine Gucci-Taschen leisten kann.

 
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